Ursprung

Die Geschichte des Westernreitens beginnt in der Zeit der Eroberung des amerikanischen Kontinents durch die spanischen Konquistadores. Gold und Silber waren der Hauptgrund, warum die Spanier in den heutigen Südwesten der Vereinigten Staaten kamen. Als Mitbringsel brachten sie Kriegsausrüstung, lebendes Vieh und Pferde. Aus den Missionsstätten entwickelten sich die ersten Zentren spanischer Bewirtschaftung mit Ackerbau und Viehzucht.

Der Import des Pferdes durch die Spanier war historisch gesehen ein Meilenstein für die gesamte Entwicklung und Besiedlung Amerikas. Nur mit dem Pferd war es möglich, die scheinbar endlosen Entfernungen des unbesiedelten amerikanischen Kontinents zu überwinden. Mit den Pferden wurde auch der spanische Reitstil in den eroberten Gebieten gepflegt. Dieser ist die Grundlage für das heutige Westernreiten.

Kalifornien war eine spanische Kolonie, die 150-200 Jahre in völliger Abgeschiedenheit vom restlichen Weltgeschehen verbrachte. Die mitgebrachten Pferde wuchsen wie die Rinder in völliger Freiheit auf und bildeten die Grundbestände der wild lebenden Mustangherden. Nur die allerbesten Tiere wurden aus den Herden ausgesondert und zugeritten. Das Land und das Leben dort machten es notwendig, beritten zu sein. So pflegten die Spanier auch die alte Reitkultur der Rancheros und Vaqueros. Aus den spanischen Sätteln und Gebissen entwickelten sich die kalifornischen Gebisse und Westernsättel.

Das Zureiten der Pferde mit gebisslosen Zäumungen führte zu der Kunst der Hackamore-Reiterei. Die Highport Bits, wie sie von den Kaliforniern benutzt wurden, waren in erster Linie Gebisse, die durch Gaumensignale wirkten.

Gleichzeitig, jedoch unabhängig von dieser Entwicklung, fand auch im Gebiet des heutigen Texas eine Besiedlung statt. Diese war jedoch nicht mehr so abgeschieden wie in Kalifornien.

Grundlegend neue Tendenzen gab es erst, als die aus dem Osten Amerikas vordringenden Siedler, meist nord- und mitteleuropischen Ursprungs, auf die Spanier trafen. Es begann die Zeit des “Goldrausches”. Die Gebiete der heutigen Staaten Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien wurden von den Nordamerikanern erobert, die spanischen Rancheros enteignet und nach Mexiko vertrieben.

Zu dieser Zeit begann man intensiv mit der Zucht von Fleischrindern. Das bedingte zwangsweise eine Umstrukturierung der Rinderhaltung und der Vermarktung der Rinder in den Fleischfabriken des Ostens. In der Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Bürgerkrieg, wurden die verwilderten texanischen Rinderherden zu den inzwischen errichteten Eisenbahnstationen getrieben und von dort in den Osten der USA gebracht. Die grossen Viehtriebe oder Trails prägten für etwa 30 Jahre das Geschehen des amerikanischen Westens und damit auch die Entwicklung des Westernreitens.

Während in Kalifornien die Traditionen der Hirtenreitweise fast uneingeschränkt und ohne Einfluss von aussen bis ins 20. Jahrhundert gepflegt wurden, ergab sich in den Gebieten der Viehtrails, im Gebiet des heutigen Texas und der umliegenden Regionen im Südwesten der Vereinigten Staaten, eine Vermischung von spanisch-mexikanischer Reitweise mit speziell englischen Einflüssen. Diese prägten den Texas-Style, der weniger elegant, aufwendig und prächtig, dafür jedoch zweckbezogener und für die Arbeit mit und am Rind speziell ausgearbeitet ist. Sowohl die Ausrüstung, wie auch das Pferdematerial war für die Viehtriebe von anderer Notwendigkeit, als jenes der spanischen Hidalgos.

Geografisch ergibt sich folgende Darstellung: Die Staaten Kalifornien, Oregon und Nevada sind bis heute deutlich vom kalifornischen Reitstil geprägt. Arizona, New Mexico, Texas, Colorado, Kansas, Nebraska und Oklahoma, also jene Staaten der zwischen den Rocky Mountains und dem 98. Lngengrad liegenden Gebiete, übernahmen vorwiegend den Texas-Style. Eine Vermischung der beiden Stilarten ist in den Staaten Washington, Montana, Idaho, Wyoming und Utah anzutreffen.