Die lange Reise ins neue Zuhause

Nachdem ich nun von allen Seite das “Okay” erhielt, habe ich den Donnerstag, 18. August 2011 für den Transport von “Little Gin Whiz” in die Schweiz festgelegt.

Am Dienstag Abend traf ich direkt nach der Arbeit bei Lasance ein. Sie stellten mir lieberweise ihren Pajero für den Transport zur Verfügungen. Im Dreiertrupp (Gabriela, Ton und ich) holten wir anschliessend auf der White Horse Ranch in Buttwil den Hänger ab. Nach einer kurzen Diskussion, wie wir “Gin” am besten transportieren werden, entschlossen wir uns die Trennwand im Hänger heraus zu nehmen. Dann verluden wir noch drei Strohballen und etwas Heu in den Hänger und waren somit bereit für die erste Hängerfahrt. Ich hatte das Vergnügen mit dem Hänger bis nach Rottenschwil fahren zu dürfen, wo ich und Gabriela unsere erste Anhängerfahrstunde von Ton bekamen. “Gerade rückwärts fahren” und “rückwärts einparkieren” hiessen die Herausforderungen, welche es zu meistern galt. Ich denke, wir zwei Frauen haben das ganz souverän hinbekommen. Und so beendeten wir den “Hänger-Kennenlern-Trip” mit der Rückfahrt durch Gabriela nach Oberlunkhofen.

Am Mittwoch Morgen startete unsere Reise schon früh. Gabriela holte mich um 8:20 Uhr in Mellingen vor der Haustüre ab. Nach kurzem Einladen des Gepäcks ging es auf die Autobahn Richtung Basel. Der Anhänger bereitete uns keine grossen Probleme und so tuckerten wir mit ca. 90 km/h Richtung Eifel. Das Navi führte uns auf dem kürzesten Weg nach Ahrhütte. So lotzte es uns Mitten durch Strassbourg in den Norden. Mittags machten wir einen kurzen Halt und genossen unsere selbstgemachten Sandwichs. Immer wieder trafen wir auf gesperrte Strassen oder wir mussten auf Hauptstrassen ausweichen, welche die Autobahnen miteinander verbinden. Aber aufgrund der kürzeren Strecke erreichten wir das Ziel ohne grosse Verspätung. Um 16:30 Uhr konnten wir den Hänger auf der Hansen Horse Ranch abstellen und den Papierkram erledigen. Über die Tatsache, dass wir die Trennwand heraus genommen hatten, waren die Hansens nicht so erfreut. Aber da wir nichts mehr dran ändern konnten, versuchten wir das Beste draus zu machen und redeten uns für den darauffolgenden Tag gutes Gelingen ein.

Anschliessend führen wir in das nahe gelegene Rodder, wo wir zu Abend assen, uns kurz die Beine vertraten und anschliessend in herzigen Zimmern unsere Nacht verbrachten. Die Spannung nahm bei uns beiden immer mehr zu. Wie würde sich “Gin” verladen lassen? Wie gut steht er wirklich im Hänger und wird er grosse Probleme damit haben, sein Gleichgewicht ohne Wand zu halten?

Am Donnerstag morgen, 18. August 2011, hiess es für uns früh Uhr aufstehen. Um 6:15 Uhr stand unser Frühstück liebevoll aufgetischt bereit und vor lauter “Quasseln” war auf einmal schon zwanzig vor sieben. Und wir hatten doch um 7:00 Uhr auf der Ranch abgemacht. Kurz zurück ins Zimmer, Gepäck ins Auto verladen, auschecken und ab die Post wieder Richtung Ahrhütte. Nach knapp 15 Minuten Fahrt kamen wir mit etwas Verspätung auf den Hof. Als wir um 7:10 Uhr einfuhren, bekamen wir einen kleinen Schock. Der Hänger war weg. Der erste Gedanke: “und wenn uns der jemand geklaut hat…” Da der Hof aber doch sehr abseits liegt, schloss ich dies relativ schnell aus. Und tatsächlich, als wir in den Stall schauten, stand der Hänger schon bereit. Sarah und Kristof haben ihn möglichst dicht an die Boxen gestellt, so dass “Gin” auf die eine Seite nicht ausweichen konnte. Meine Anspannung stieg merklich. “Hoffentlich klappt alles?” Ich nahm noch ein paar tiefe Atemzüge der frischen Morgenluft, genoss die friedliche Stimmung und versuchte mich auch innerlich herunter zufahren.

Sarah hatte bei unserer Ankunft “Gin” bereits das Mittel für die Sedation gegeben und wartete nun, bis es zu wirkten begann. Zwischenzeitlich fuhren wir das Auto vor, streuten den Hänger mit Stroh ein und machten alles für den Verlad bereit. “Gin” wirkte ruhig, das Mittel schien bei ihm jedoch nicht ganz so anzuschlagen, wie es das bei anderen Jährlingen jeweils tat. Dann hiess es weitere 10 Minuten warten. In diesr Zeit genossen wir die einmalige Aussicht vom Hof. Es tagte langsam und die Nebelschwaden hinterliessen eine schöne, mystische Stimmung. Und dann galt es auf einmal ernst….

Sarah kam mit “Gin”  im langsamen Schritt in den Stall. Er lief ihr ruhig hinterher und betrachtete den Tisch mit Stühlen, welcher in der Mitte des Stalles aufgestellt war, etwas argwöhnisch. Sarah lief ruhig weiter auf den Hänger zu. Wir waren erstaunt. “Gin” folgte ohne gross zu zögern und setzte seinen Huf auf die Klappe. Er stockte kurz und Sarah ermutigte ihn zum weiter laufen. Er setzte ohne zu zögern den nächsten Fuss, hielt noch einmal kurz an und folgte dann willig ganz in den Hänger. Kristof und ich, welche beidseitig bereit standen, schlossen ruhig die Klappe und schon stand “Gin” im Hänger. Mir viel ein Stein vom Herzen, da ich damit wirklich überhaupt nicht gerechnet hatte. Super! “Gin”, das hast du toll gemacht!

Ohne grosses Tam-Tam, verabschiedeten wir uns von Sarah und Kistrof, nahmen im Auto platz und fuhren langsam vom Hof. Den beiden viel der Abschied sichtlich schwer…. “Gin” verabschiedete sich mit einem lauten Wiehern vom Hof, scharrte mit dem Huf vier mal und ab da hörten wir im Hänger nichts mehr. Langsam nahmen wir die ersten kurvigen Strassen, damit sich “Gin” an die wackelige Angelegenheit gewöhnen konnte. Bald schon konnten wir das Tempo erhöhen und nahmen den Rückweg auf uns.

Während der ganzen Fahrt bis zum Autobahnanschluss in Höhe Konstanz hörten wir überhaupt nichts von hinten. Das wirkte auf uns etwas gespenstisch und irgendwie trauten wir der Sache nicht ganz. Wir fingen an, uns jeglichen Unsinn auszumalen. Bspw. das “Gin” aus dem Gänger gestiegen ist und wir davon nichts bekommen haben. Um uns zu vergewissern, machten wir einen Mini-Stop, kurz nachdem wir auf der Autobahn waren, um zu schauen, ob da wirklich alles in Ordung ist. Als wir zum Fenster reinschauten, blickten uns zwei grosse Augen an und die Ohren hatte “Gin” neugierig zu uns gerichtet. Da wussten wir, dass alles in Ordnung ist.

“Gin” hielt sich die ganze Fahrt über tafer. Er verfiel nie in Panik und frass drum auch immer wieder etwas Heu, welches wir im nach 2h anbaten. Nur trinken wollte er nicht. Wahrscheinlich fand er den schwarzen Eimer doof. So fuhren wir mit zwei, drei kleinen Pausen problemlos bis nach Basel. Beim Zoll hatten wir eine rasche Abfertigung der Formalitäten durch die Brändli Pferdespedition, so dass wir ohne grosse Warterei die Weiterfahrt nach Buttwil in Angriff nehmen konnten. An diesem Tag gab es nur noch gerade 500 Kontingente. Vor einem Jahr wären wir wahrscheinlich knapp nicht mehr rein gekommen. Aber auch so werden wir die Kontingente bald aufgebraucht sein.

Um 16:30 Uhr trafen wir wie geplant auf der White Horse Ranch in Buttwil ein. Nachdem Lilian sich eingefunden hatten, stieg ich in den Hänger und befestigte den Strick an “Gin”s Halfter. Kurz darauf öffnete Gabriela und Lilian die Ladeklappe und “Gin” begutachtete neugierig die neue Umgebung. Anfänglich noch etwas zögerlich, setzte er dann Schritt für Schritt, einen Huf nach dem anderen auf die Klappe und schon stand er draussen. Interessiert schaute er sich den Hof an, bevor wir uns auf den Weg zu den beiden anderen Jährlingen Lucke und Chesper machten. Neugierig bestuberten sich die drei. Lilian fragte mich, ob wir Ihn in eine Box stellen sollen, damit er sich etwas erholen kann, oder direkt zu den beiden Hensten zu stellen. Ich war für ein gemeinsames Kennen lernen und so stellen wir “Gin” zu den beiden. Diese fanden sofort gefallen aneinander. Da der Raum für ein erstes Kennen lernen etwas zu klein war, da Chesper “Gin” auch immer in die Mähne biss, brachten wir die drei Jungs auf den Reitplatz. Dort konnten sie sich ergib austoben und die Rangfolge klären. Diese war relativ schnell und ohne grosses Gerangel klar. Lediglich einmal musste “Gin” den aufdringlichen Chesper mit seinen beiden Hinterhufen zurechtweisen, da dieser immer aufzusitzen versuchte, aber von da an war Ruhe.

Zwischenzeitlich ist auch Sven eingetrofen, um den “kleinen” Zuwachs zu begrüssen. Schon nach ein paaar wenigen Minuten grasen die drei friedlich das Gras vom Platzrand. Nur die freche, kleine Jack Russel-Dame Ella jagte die drei einige Minuten über den Platz, bis es uns gelang sie einzufangen.

Nachdem wir den Hänger geputzt und versorgt hatten, kamen die drei wieder zurück in den Offenstall. Ohne grosse Probleme konnten wir die Jungs zurück lassen. Sie frassen alle zusammen, als ständen sie schon ewig Zeit zusammen.

Ich und Gabriela hatten den ideal Transport hinter uns gebracht. “Gin” benahm sich wirklich vorbildlich und wir konnten problemlos unseren Zeitplan einhalten. Reibungsloser hätte das ganze nicht laufen können. Und so konnte ich mich Abend doch etwas müde durch den langen Tag erleichtert ins Bett legen.

 

 

 

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Zitate
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.