Ranch Horse Festival Solothurn 2015

Die zweite Hand der Cowboys

Das zweite Ranch Horse Festival dieser Saison fand Mitte August 2015 in Solothurn statt. Ich meldet Gin und mich in der Klasse Ranch Hands an und somit waren unsere insgesamt fünf Starts über zwei Tage verteilt. Aufgrund unserer längeren Anreise wurde der Anlass auch gleich zum Camping-Ausflug.

Der Start der Ranch Hands sollte um 13:00 Uhr beginnen, so dass wir den Morgen ziemlich entspannt angehen konnten. Das Auto hatte ich bereits am Vortag gepackt, so dass nach dem Füttern und Putzen mein Pferdchen rasch verladen war und wir gemütlich nach Solothurn fahren konnten. Wir trafen früh genug ein und suchten uns auf dem abgemähten, leicht durchnässten Weizenfeld einen guten Platz, der sich auch für die Übernachtung eignete.

Kurz darauf machte ich mich auf, das Gelände der Spirit Stone Ranch zu erkunden. Das Show Office hatte ich schnell gefunden und mich gleich angemeldet. Gleichzeitig durften ich noch unsere Rinder ziehen. Es waren die rote und die grüne Zwei.

Zurück war es schon langsam Zeit, sich bereit zu machen. Somit hiess es satteln, Rope montieren, Chaps überschnallen, Nummern montieren und Hut aufsetzen. Und ready waren wir. So hoffte ich zumindest. Gin und ich sind noch nicht so routinierte Show-Teilnehmer. Wir haben erst letztes Jahr überhaupt angefangen zu starten und Solothurn sollte unser drittes Ranch Horse Turnier sein. Da sind die Abläufe noch nicht ganz eingespielt und ich muss mich konzentrieren, nichts zu vergessen.

Wir gingen zur Halle und ich ritt Gin etwas warm. Gin ist für seine fünf Jahre ein sehr ausgeglichener Quarter und muss immer etwas motiviert und wach gemacht werden. Die Gefahr, dass er mir beim längerem Stehen anfängt „einzuschlafen“, ist gross. Zum Glück waren die Temperaturen nach dem heissen Sommer auf gute 20 Grad gefallen, was uns die Sache etwas erleichterte.

Nach der obligatorischen Ausrüstungskontrolle ging es dann pünktlich los. Ich startete als erste im Ranch Riding. Lieber wäre mir gewesen, etwas weiter hinten zu starten. Einmal zuzuschauen hätte ich nicht so schlecht gefunden. Andererseits kann man als Erste keine Fehler nachreiten. Mit diesen Gedanken ritten wir ein und versuchten unser Bestes zu geben. Gin war grundsätzlich bei mir und machte alle Manöver brav mit. Trotzdem fühlte es sich für mich nicht ganz so flüssig an, wie ich mir das gewünscht hätte. Die Übergänge hätten weicher sein dürfen und der extended Jog haben wir auch schon flüssiger und mit mehr Rahmenvergrösserung geritten. Dies zeigte ich dann entsprechend genau bei diesen Manövern in der Bewertung. Dennoch dürfen wir mit dem Score mehr wie zufrieden sein. Wir platzierten uns auf dem zweiten Platz bei sechs Teilnehmern.

Da gemäss Terminprogramm genügend Zeit war, gingen wir im Anschluss zurück zum Hänger und ich begann den Weidehaag für Gin aufzustellen, wo er die Nacht verbringen würde. Kaum aufgestellt, wurden wir jedoch gleich zum Trail abgeholt. Die übrigen Starter waren schneller als erwartet durch und die dunkeln Wolken wirkten, als ob sie den Regen nicht mehr lange zurück halten könnten, so dass alle sich beeilten, den Trail-Teil noch trocken hinter sich zu bringen.

Der Trail fand auf dem Aussenplatz statt und wir warteten zwischen all den anderen Ranch Hands und Cowboys, Pferd an Pferd, auf unseren Start. Ich war gespannt, wie Gin den Trail meistern wird. Grundsätzlich kümmert er sich nie speziell um die Hindernisse und ihre Tücken, aber man weiss ja nie. Zudem fühlte sich der Trail vom Sattel aus nicht ganz so berauschend an, wie wir im Anschluss bewertet wurden, aber eins nach dem anderen. Beim Tor „klemmte“ er etwas und wich nicht so schön vom Bein, was in der Bewertung einen kleinen Abzug gab. Das steile Wiesenstück rutschte er in ruhigem Tempo hinunter, was aufgrund der vielen vorgängigen Abrutsche nicht ganz einfach war, und die Kuh konnte ich wie gewohnt problemlos ropen. Die Galoppstangen nahmen wir ganz okay und das Überqueren der Äste meisterten wir ganz gut, obwohl seine Aufmerksamkeit bei diesem Hindernis irgendwo in der Ferne lag. Der wunderbare Ausblick auf das tiefer gelegene Feld mit den Hängern schien sehr interessant zu sein. Beim nächsten Hindernis hiess es dann, den schweren Baumstamm zu ziehen. Gin schien etwas irritiert über das schwere Gewicht und lief anfänglich mehr seitlich als gerade, akzeptierte es dann aber rasch und lief dann wie selbstverständlich durch die Pilonen. Dann hiess es noch die Brücke zu meistern, aus dem Briefkasten ein kleines Präsent zu entnehmen und schon waren wir durch. Die Richterin bewertete unseren Ritt mit einem Score von 72.5 Punkten, was uns auch hier auf den zweiten Platz brachte.

Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter mit dem Ranch Reining. Hier sind wir von der Ausbildung her noch in den Anfängen und so versuchten wir, einfach unser Bestes zu geben. Das klappte soweit ganz gut und auch hier landeten wir am Schluss witzigerweise auf dem zweiten Platz.

Den ersten Tag hatten wir somit ganz gut hinter uns gebracht und ich freute mich über unsere gute Zusammenarbeit. Ich entliess Gin in den wohlverdienten Feierabend, während ich mich auf die Läufe der Cutter freute. Um 19:00 Uhr ging es los. Die Tribüne war gut gefüllt und ich setzte mich dazu. Für mich immer wieder sehr aufregend zu sehen, wie leicht und freudig die Pferde die Rinder arbeiten. Vielleicht erreichen wir dieses Niveau auch mal, aber bis dahin gibt es wohl noch viel zu lernen und zu üben.

Nachdem die Sieger gekürt waren, sass man noch in gemütlicher Runde beieinander und liess den Abend ausklingen, bevor es dann ins Bett ging. Da zwischenzeitlich Nisselregen einsetzte, habe ich mein Zeltplatz gegen den Schlafsack im Auto eingetauscht und es mir im hinteren Teil gemütlich eingerichtet. Ich glaube, ich hätte ganz gut geschlafen, wenn Gin nicht die ganze Nacht in den Hänger hinein und wieder hinaus gelaufen wäre und so immer wieder das ganze Auto durchschüttelte.

Ich erwachte früh am Sonntag und wollte gerade mein mitgebrachtes Frühstückproviant verzerren, als ich von den beiden Cowboys Monique und Daniel einen warmen Kaffee offeriert bekam. Der tat richtig gut. Leider hatten die beiden nicht viel Zeit, da sie die Rinder noch saddeln mussten. So blieb auch ich nicht lange sitzen, bevor es schon wieder hiess „bereit machen“. Heute standen die beiden Rinderdisziplinen auf dem Programm, auf welche ich mich sehr freute.

Am Morgen fanden die zwei Läufe des Ranch Cuttings statt, ab Nachmittag folgte noch das Ranch Sorting. Alle drei Läufe liefen bei uns nicht wirklich gut. Die Ansätze waren nicht mal so schlecht, aber um seinen Job an den Rindern richtig machen zu können, muss dieser ja am Schluss auch erledigt sein. Und das klappt bei uns noch nicht ganz so souverän, da die Möglichkeiten an den Rindern zu üben auch eingeschränkt sind. Aber unter dem Strich machte uns die Arbeit an den Rindern riesigen Spass.

Beim Ranch Cutting konnten wir in der ersten Runde unser Rind immer schön aussortieren, aber da die Rinder allgemein sehr „drückig“ waren, machten sie uns den Job noch schwieriger und wir verloren die rote Zwei gleich mehrere Male. Der zweite Lauf war dann deutlich besser. Die uns zugeteilte Kuh konnten wir aus der Herde nehmen und schön zeigen, dass wir diese auf der Linie arbeiten können. Aber wir brachten sie dann nach dem Arbeiten einfach nicht hinter den Pilon. Entweder stoppen wir sie zu stark und sie drehte um, statt nach hinten zu rennen oder wir positionierten uns falsch. Jedenfalls war dann die Zeit um und keine Kuh im Panel.

Ich freute mich, dass Gin motiviert mitarbeitete und immer besser versteht, was sein Job ist. Manchmal ist er etwas übereifrig und reagiert nicht auf mein Bein. Ich würde jeweils gerne der Kuh den Weg abschneiden, aber er rennt der Kuh lieber hinterher. Aber das kriegen wir auch noch hin.

Wir bekamen von den Cowboys gute Tipps, welche wir gerne versuchen umzusetzen. Sicherlich müssen wir noch das Gefühl für die richtige Position an der Kuh bei jedem Tempo üben und ich muss Gin beibringen, dass man an der Wand stoppt und nicht davor, da uns sonst jedes Mal die Kuh unten durch drückt. Aber die netten Zusprüche zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Das Ranch Sorting, welches nach dem Mittagessen startete, verlief etwa im ähnlichen Stil wie das Cutting. Die erste Kuh brachten wir relativ rasch aus der Herde und auch hinter die Abschrankung, aber bereits bei der zweiten taten wir uns wieder etwas schwerer. Wir brachten die schwarze Zwei zwar aus der Herde raus, aber nicht von der Herde weg. Und so verstricht die Zeit, ohne dass wir den Job abschliessen konnten.

Wir verbrachen zwei spannende Tage in Solothurn und hatten ganz viel Spass. Der Anlass war toll organisiert, ich freute mich, dass eine oder andere Gesicht wieder zu sehen und genoss die freundschaftliche Stimmung. Müde, aber äusserst zufrieden – wir platzierten uns bei der Ranch Hand Versatility (Gesamtwertung) trotz der nicht so guten Rinderarbeit auf dem dritten Platz – fuhren wir am Sonntagnachmittag nach Hause.

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Zitate
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.