Ferien bei Philipp Martin Haug

Da ich für dieses Jahr noch ein paar Tage Ferien übrig hatte, haben ich mich entschieden mit Gin weg zu fahren. Seit dem Frühling haben wir keine regelmässigen Reitstunden mehr und da ich uns wieder einen kleinen Schritt weiter bringen will, habe ich 10 Tage bei Philipp Martin Haug gebucht. Philipp wurde mir von Norbert empfohlen. Er ist ein sehr guter Freund von Jean-Claude gewesen und  bei ihm weiss ich, dass er mir nur “saubere” und faire Trainer empfiehlt.

So sind wir am Sonntag morgen (22.09) um 9:00 Uhr losgefahren. Nach einer Stunde standen wir bereits beim Zoll. Da das Carnet neu ausgestellt war, hätte man dies zuerst zu den offiziellen Zollöffnungszeiten (Beamtenzeiten!) eröffnen müssen. Daran habe ich natürlich nicht mehr gedacht. Der Papierkram für Pferde am Zoll ist so schon kompliziert genug. Aber für einen kleinen Aufpreis für die Eröffnung ausserhalb der Öffnungszeiten haben die lieben Zöllner das dann hinbekommen. War ich froh.

Nach langer Fahrt mit Stau und Pause sind wir dann um ca. 18:00 Uhr in Gettengrün – unmittelbar an der Tschechischen Grenze – angekommen. Gin war froh wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Er bekam eine riesige Box im alten Pferdestall. Dort ist es leider etwas dunkel, die Boxen total vergittern und in unmittelbarer Nähe stand kein anderes Pferd. Der Hengst in der übernächsten Box schlägt anscheinend gegen die Boxenwand, wenn ein anderes Pferdchen nebenan steht. Aber irgendwie hat Gin überall einen Babybonus und jedenfall beim Beschnuppern machte dieser keinerlei Ansätze, alles kurz und klein zu schlagen, Trotzdem bleibt die Box dazwischen leer. Anfangs fühlte sich Gin dort gar nicht wohl und wollte regelrecht flüchten. Jedesmal wenn ich zu ihm rein ging, hat er richtig hinausgedrängelt. Aber das legte sich dann relativ schnell und er hat sich dann doch daran gewöhnt. Und das er sich bereits in der ersten Nacht kompett hinlegte, war trotz allem ein gutes Zeichen.

Am Montag um 11 Uhr hatten wir unsere erste Lektion. Vor uns war noch ein Paar (Renate und Friedrich Jacob) aus der Nähe von München dran. Philipp ritt ihren Wallach, da er doch aufbrausend sein konnte. Dort erhielt ich das erste persönliche Bild von Philipp als Reiter. Und man darf sagen, er macht das wirklich gut. Er ist wo nötig entsprechend konsequent, aber immer fair. Das passt so für uns.

Also standen wir pünktlich auf der Matte. Als erstes sollte ich einfach mal reiten wie zu Hause, damit er sich ein Bild von unserem Stand machen könnte. Er hat Gin im grossen und ganzen sehr gelobt. Zu mir meinte er, dass ich ihn zu fest Babysitte. Sprich, ich sage im ständig, was er machen und wie schnell er laufen soll. Das Motto war nun, Richtung und Tempo angeben und ihn dann wieder sich selber überlassen. Ergänzend heisst das auch, wenn ich schnaltze, muss was passieren. Das Schnaltzen muss eine Wirkung haben. Sei es beim Anreiten oder bei Schneller werden: das Schnaltzen muss eine Reaktion auslösen. Und da Gin sich mal wieder von seiner unmotiviertesten Seite zeigte und die Hinterhand nicht aktiv brauchte, war das für die kommenden Unterrichtslektionen unser Thema. Bei Schnaltzen muss der im Schritt, Trab oder Galopp das Tempo so beschleunigen, dass er aktiv läuft und das dann von selber halten. Wenn er langsamer wird, kommt wieder die stimmliche Aufforderung und wenn er dieser nicht nachkommt, wieder das Bein. Die Stunden waren anstrengend. Ich und Gin kamen wirklich ins Schwitzen. Er mochte einfach nicht von alleine aktiv laufen, was von mir wiederum mehr Aktion verlangte. Auch wenn Gin immer schöner und runder lief, so wurden seine Batterien immer leerer. Am Montag Nachmittag war er schon müder, Dienstag früh waren die Batterien schon etwas mehr unten. So arbeiteten wir am Nachmittag etwas an der Cuttingmaschine, was er für das zweite Mal sehr gut und um einiges motivierter mitmachte. Am Mittwoch morgen (der 2. Tag danach) muss er wohl mächtig Muskelkater gehabt haben. Ich übrigens vom viele Beineinsatz auch. Er wollte kaum antraben und fiel immer in den Galopp. Wir fingen ganz langsam an und konnten es etwas steigern. Ein paar Runden im Trab und dann im Galopp. Dann brachen wir vorzeitig ab. Wir wollten ihn ja nicht ärgern. Am Nachmittag gönnten wir uns zu Dritt einen kleinen Ausritt und dort lief Gin wieder sehr motiviert und zügig mit. Da war sein Muskelkater schon wieder vergessen. 🙂 Aber es freute mich sehr, dass er zumidenst zeigte, dass er doch zügig laufen kann. Das ist bei Gin mehr eine Kopfsache, als das nicht können. Und dann schaut er immer so unschuldig und fertig drein, so dass der liebe Gin das Mitleid aller auf seiner Seite hat.

Die kommenden Tag ging das Training dann im selben Tempo weiter. Bei gutem Wetter gingen wir auf den riesigen Sandplatz auf der Anhöhe. Der war wirklich gigantisch und das alles ohne Hag drum herum. Gin lief total motiviert und ohne Bande war er auch lenkbarer, da er sich da dran nicht anlehnen konnte. Wir arbeiteten am Spin, am Galoppwechsel und am Rollback. Auch an der Cuttingmaschine übten wir nochmals. Manchmal zeigte er schon erste Ansätze, selber dem Rind nach zu gehe. Die Woche war anstrengen.

Am Freitag war zufällig der Gomi noch im Stall. Was für ein riesiger Zufall. Hatte ich doch meinen teuren Sattel mit dabei, der gemäss vielen Aussagen Gin nicht passte und den ich gerne austauschen wollte. Ich machte mir schon unzählige Gedanken, wie ich am Besten mit Pferd und Sattel Richtung München komme und ob der Umweg bei der Rückfahrt nicht zu viel wird. Aber auf einen Schlag war das Problem erledigt. Spezieller Zufall! Jedenfalls meinte Gomi, dass der Sattel passt und er eher zu gross ist. Irgendwie hatte ich etwas Mühe, dass zu glauben. Haben mir jetzt doch so viele gesagt, der Sattel ist zu eng und zu lang. Aber er beteuerte mir das, dass der Sattel passt und das da wirklich ein super Baum drin ist, der sich nicht verdreht. Okay, gemäss Equiscan sollte der Sattel ja wirklich passen, bis auf dass, dass in der Mitte noch etwas Luft hat. Trotzdem, ich tat mir schwer. Philipp meinte dann auch, dass der Sattel passt und wir hier echt ein Luxusproblem haben, dass der Sattel zu gross ist. Beim Reiten meinte er dann auch, dass er mit diesem Sattel besser aus der Schulter läuft. Somit werden wir den Sattel vorerst behalten und ihn nutzen. Gin wird mir ansonsten bestimmt zeigen, wenn es nicht mehr passen sollte. Dank dem Sattelwechsel fing mein Muskelkater nochmals von vorne an.

Am Montag durften wir dann noch einmal an die Kuh. Philipp zeigte mit seinem Hengst, wie das geht. Das war echt beeindrucken, wie die Beiden das Zebu steuerten. Das war dynamisch und äusserst präzis und aus dieser kurzen Distanz imponiert das gleich nochmals mehr. Gin machte super mit und wir trieben das Zebu brav vor uns her. Nur beim Stoppen merkte man, dass er sich damit noch schwer tut. Liegt aber auch dran, dass Gin keine Sliders dran hat. Philipp meinte, dass er sich schon gerne hinsetzten würde, aber er aufgrund des harten Boden halt nicht hart Stoppen kann. Da wir das Zebu brav Runde um Runde vor uns hintreiben konnten, war das nächste Ziel, dass Zebu zu wenden. Dabei muss das Zebu überritten werden und das Pferd muss vor die Nase des Zebus kommen. Also, von der leicht treibenden Null-Position, leicht hinter der Schulter, musste das Tempo erhöht werden, um vor das Zebu zu kommen. Also etwas Tempo beschleunigen. Kaum ist das Tempo erhöht, sind wir auch schon über dem Zebu. Dieses hält doch promt, wendet und rennt hinter uns durch. Gin noch erst im Beschleunigen, als er schon wieder in den Stop musste, der noch etwas hart war. Ein paar Schritte zurück und dann gegen die Kuh – die war ja schon lange weg –  wenden und zügig der hinterher. Beim ersten Versuch musste ich Gin für die Verfolgungsjagd noch antreiben, beim zweiten Mal hat er das Ziel schon gecheckt und gab von sich aus Gas. Da er auch sein zweiter Versuch an der Kuh souverän mitmachte, liessen wir in dann im Anschluss in Ruhe.

Am Dienstag Morgen gab es dann noch eine abschliessende Stunde auf dem riesigen Platz, bevor es um die Mittagszeit ans Verladen ging. Ich habe mich entschieden, einen Tag früher als geplant abzureisen. Die Big3 startete für uns schon am Donnerstag und da die Reise doch sehr lang ist, wollte ich Gin auch noch einen freien Tag gönnen.

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Zitate
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.