Erster Start im Ranch Horse

So, nun haben wir uns diesmal für unser erstes Ranch Horse Turnier in Attinghausen (UR) angemeldet. Es soll unser zweiter Turnierstart sein. Das gutes Ranch Horse soll zeigen, dass es bei der täglichen Arbeit auf einer Ranch ein verlässlicher Partner ist. Hier zählt weniger die über-korrekte Ausführung und das schöne Aussehen, sondern, dass das Pferd jederzeit an den Hilfen steht und mit dem Reiter zusammen arbeitet. Somit ist “Bling-Bling” und Zöpfchen in der Mähne explizit nicht erwünscht. 🙂 Wir werden in der Greenhorse-Class starten, welche aus einem Ranch Riding, einem Ranch Reining und einem Ranch Trail besteht.

Am Frühstückstisch bin ich die einzelnen Pattern (“Routenführung”) für das Reining und den Trail nochmals kurz durch gegangen. Ich sagte noch zu Sven, dass ich beim Trail nicht genau weiss, was ich wo machen muss. Mit dem “Ground Tying” haben wir uns noch nie bewusst beschäftigt. Im Verlauf unserer Unterhaltung sagte ich zu Sven, ich wäre froh, wenn ich da nicht als Erste starten müsse, damit ich dem einen oder anderen zuschauen kann. Aber man hört ja so viel, dass unser Universum resp. unser Kopf das “nicht” nicht kennt. Denke NICHT an einen rosaroten Elefanten. Und? Was hattest du gerade für ein Bild? Jedenfalls meinte ich dann noch, weil ich mir jetzt das so oft sagte, dass ich nicht als Erste starten möchte, ich bestimmt die Erste sein werde. Haha.

Um 11 Uhr machten wir uns auf den anderthalb stündigen Weg. Das Wetter war bewölkt und eigentlich war Regen angesagt. Doch der liebe Petrus machte sehr gut mit und schenkte vor allem mir bei der Runterfahrt ein paar tolle “Bilder”. Gin wird das wohl nicht so interessiert haben. Pünktlich eine Stunde vor Beginn, aber dennoch als letzte, kamen wir in Attinghausen an. Nach dem Anmelden, sattelte ich Gin und wir gingen zu den anderen auf den Platz uns ein wenig aufwärmen. Wie immer machte Gin einen wenig interessierten Eindruck und schlürfte mit mir über den Platz. Wir liefen einige Runden im Schritt, gingen einen paar Zirkel im Trab und Galopp. Ebenso machte ich noch ein paare wenige Übungen, welche ich an der Clinic von Paul mitgenommen hatte und stellte uns dann wieder an den Rand. Ich bin kein grosser Fan vom stundenlangen Aufwärmen. Entweder es geht oder nicht. Üben muss man zu Hause. Und dem Pferd die ganze Energie vorgängig zu rauben, finde ich persönlich nicht fair, auch wenn Pferde als natürliche Hochleistungssportler eingestuft werden. Jedenfalls standen wir noch eine Weile da, bis die Richterin dann eintraf, welche aufgrund von Problemen am Flughafen Verspätung hatte.

Mit etwas Verspätung starteten wir mit dem Ranch Riding. Dafür mussten alle den Platz verlassen und in korrekter Reihenfolge – wir mit der Startnummer 4 – wieder vor den Augen der Richterin einreiten. Somit ritten dann insgesamthaft 15 Reitpaare auf den Platz. Ehrlich gesagt, konnte ich als Neuling in der ganzen Western-Turnierszene das Riding noch nicht ganz einordnen. Es scheint irgendwie ähnlich wie das Pleasure zu sein. Aber warum es einen anderen Namen trägt, habe ich noch nicht ausfindig machen können. Jedenfalls mussten wir auf beiden Seiten einen guten Walk, Jog, Extended Jog und einen Lope zeigen. Wir gehorchten aufmerksam und diesmal korrekt den Speakeransagen und machten unsere Aufgaben wie gewünscht. Dann ging es über zum Aufstellen, wo alle noch das Rückwärtsrichten zeigen musste. Genau in diesem Moment ist Sven angekommen. Gerade richtig. Gleich im Anschluss fand die Rangverkündigung statt. Angefangen haben sie mit dem 10ten Platz. Dann der 9te. So ging es immer weiter vorwärts. Mein Kopf dachte da gerade an nichts. Schliesslich konnte ich mich überhaupt nicht einschätzen. Entweder waren wir so schlecht, dass wir hinter dem 10. waren oder wir kamen dann irgendwann mal dran. Daran, dass wir beim Ranch Riding wirklich gut waren, habe ich im entferntesten nicht gedacht und war echt überrascht, als wir für den ersten Platz aufgerufen wurden. Wir erhielten unsere erste blaue Schleife. Wow.

Nach einem kurzen Unterbruch ging es dann weiter zum Ranch Reining in der Halle. Hier durften wir irgendwann im Mittelfeld starten. Eine Prüfung, die im Galopp geritten werden muss. Ich trabte ein. Stoppte bei X, grüsste die Richterin und startete mit der Aufgabe. Gin galoppierte schön auf der rechten Seite an und ich konnte ihn doch zu einem rascheren Galopp motivieren. Leider drückte er mir beim Wechsel auf den kleinen, langsamen Zirkel etwas mit der Schulter nach aussen, kam dann aber wieder auf den richtigen Kurs und wir konnten einen kleineren, langsameren Zirkel im Galopp zeigen. Dann der Wechsel. Dieser machte er soweit auch gang gut. Das selbe auf die linke Seite. Auch hier liess er sich schon mal leichter steuern. Dann wieder der Richtungswechsel bei X und dann ging es auf die lange mittlere Gerade. Nach dem Endmarker stoppten wir etwas ruppig. Ich wollte aus dem Effekt heraus Gin schon rückwärtsrichten und merkte gerade noch im richtigen Moment, dass wir hier ja einen kleinen Spin zeigen müssen. Dieser machte er langsam, aber soweit korrekt. Auch die andere Seite zeigte er sich ähnlich. Und das abschliessende Rückwärtsrichten Rückwärtsrichten in der Mitte machte er ebenfalls ganz gut mit. Dann am Schluss musste noch eine Kuh (Dummy) geropt werden. Im Reining will man sehen, dass der Reiter trifft. Leider habe ich hier Punkte verschenkt, da das Rope nicht korrekt aufgehen wollte und ich dann, um die Richterin nicht weiter aufzuhalten, einfach geworfen habe. Leider ist das schwierig, mit einem Schlaufe die gar nicht offen ist, eine Kuh zu fangen. Der zweite Versucht klappte besser und ich traf immerhin das Ohr der Kuh. Das gibt leider keinen Zusatzpunkt. Das klappte zu Hause auch schon besser. Naja. Jedenfalls hatte ich nicht wirklich das Gefühl, dass wir hier gut abgeschnitten haben. Schliesslich hatte es Teilnehmer darunter, die Sliding-Eisen drauf hatten und das Professionell zu trainieren schienen. Und es kommt hinzu, das wir nur hier sind, um einfach die ersten Erfahrungen zu sammeln. Die Überraschung war dann wirklich gross, als wir hier dann doch den vierten Platz (Score 67.5) erreichten. So gut hätte ich unseren Ritt nicht eingeschätzt. Dies wirkte beim Reiten eher holprig und nicht so schön. Aber auch hier haben wir freudig die weisse Schleife entgegen genommen.

Dann war da noch im Anschluss der Ranch Trail zu bestreiten. Nach der Siegerehrung des Reinings stellten die Helfer noch die letzten Hindernisse des Trails fertig. Kurz darauf konnten die Greenhörner (ohne Pferd) den Trail mit der Richterin besichtigen. Sie gab noch den einen oder anderen Typ, was sie gerne sehen würde. Das habe ich natürlich gerne mitgenommen, vor allem bei den Hindernissen, von welchen ich vorher noch nie gross was hörte. Haha, und wer hätte das gedacht, wir starteten natürlich noch als erste. Super. Wird wohl schief gehen, dachte ich mir nur. Augen zu und durch. Und so machten wir dass dann auch. Über einen schmalen Pfad ausserhalb des Platzes ging es zum ersten Hindernis, dem Tor. Auf diesem kleinen Weg war Gin enorm “guckig”. Da war direkt daneben die Führanlage. Und Panels standen herum. Muss für ihn irgendwie eine grausam gefürchige Ecke gewesen sein. Irgendwie konnte ich ihn dazu bringen, vorwärts und nicht rückwärts zu laufen. Er wollte sich auch mal mir entziehen und machte einen kleinen Bocksprung. Super, dass fängt ja toll an. Zum Glück war dies noch ausserhalb des Trails. Irgendwie brachte ich ihn dann vor das Tor, die gefürchteten Panels zum Glück im Rücken. Und dann ging es schon los.
Das Tor machte er super souverän. Aber ich merkte, er war sehr angespannt. Wie eine kleine Feder. Die platzierten Steinböcke am anderen Platzende verfehlten ihre Wirkung nicht und strahlten über den ganzen Platz. Was so zwei kleine Plastikdinger ausrichten können. Unglaublich. Aber Fluchttier Pferd sieht halt wirklich alles, und vor allem das, was vorher nicht da war. Okay, Herausforderung angenommen. Ich blieb ruhig und bestimmt. Das kennt Gin. Wenn ich sage “wir gehen”, gehen wir. Es gibt wenig Situationen – wie die eben beim Tor – wo die Angst dann meist grösser ist und er nach Auswegen sucht der Situation zu entkommen. Aber bei mir sind das immer die grossen Herausforderungen, dann geh ich da extra durch. Und das weiss der kleine Mann auch.
Also, bestimmt bat ich ihn anzutraben. Was er auch machte. Kopf hoch und steif, aber er trabte. Ich beschleunigte den Trab, damit wir über die weit auseinander liegenden Holzstangen kamen. Die Richterin meinte bei der Besichtigung, das die Stangen weit auseinander sind, aber sie möchte dennoch nur ein Huftritt drin sehen. Auftrag erfüllt. Gin nahm mit seinen kleinen Beinchen die Stangen in grossen Schritten vollkommen korrekt. Dann Übergang zum Schritt.
Vor uns der Hänger, in der Gin verladen werden muss, und die Steinböcke. Seine Ohren waren so gespitzt wie selten. Ich merkte seine Aufmerksamkeit und somit sein Unbehagen. Es brauchte nicht viel, und Gin hätte genau so gut sich auf der Hinterhand drehen und in die andere Richtung wegrennen können. In dieser Situation kam es mir gerade gelegen, dass ich absteigen durfte. Vom Boden vertraut mit Gin deutlich mehr. Wenn er jemand hat, der voraus geht, gibt ihm das enorme Sicherheit und er folgt einem meistens. Nun war das Einsteigen in den Hänger dran. Ich lief los und merkte bereits, Gin folgte mir nicht. Da testet er manchmal kurz beim Einsteigen, ob er wirklich mit muss. Ich bin einfach weiter gelaufen. Jetzt einfach selber keine Unsicherheit zeigen. Ich wollte da rein und hab Gin einfach ein, zwei Schritte mitgezogen. Und da hatte ich ihn dann auch schon bei mir und er folgte mir in den Hänger. Beim hinein laufen merke ich, dass mein Sporen – wohl vom Treiben vorhin – unter die Schuhsohle gerutscht ist und musste diese auch noch richten. Dies machte ich im Hänger. Die Richterin wollte ja sehen, dass die Pferde ruhig im Hänger stehen bleiben. Gin blieb auch bei mir, während ich die Sporen neu umband, nur war leider seine Hinterhand noch nicht ganz auf dem Hänger. Also korrigierte ich das noch, zeigte, dass er diesen Schritt rein auch noch macht und führte in dann ruhig wieder raus. Dann stieg ich wieder auf.
Der Weg zur Brücke war in der Gangart frei wählbar. Da die Richterin gerne auch mal einen Trab oder Galopp sehen wollte, erfüllte ich ihren Wunsch und trabte an. Nicht ganz risikolos war das Vorhaben, ging es doch vor den beiden Steinböcken vorbei. Gin ging zwar etwas im Zickzack (aber das merkte wohl nur ich), aber wir kamen im Trab bis zur Brücke, welche wir souverän im Schritt nahmen.
Die nächste Aufgabe war das Feuerholz im Slalom um drei Baumstämme ziehen. Hier fehlte mir die Erfahrung, so dass ich das Seil viel zu lang um das Horn wickelte. Wir zogen an und kamen noch problemlos um den ersten “Baumruggel”. Um den zweiten wurde es etwas knifflig. Da das Seil zu lang war, konnte ich beim zweiten “Baumruggel” noch nicht abbiegen, da das Holz hinten gar noch nicht beim ersten Baumstamm vorbeigekommen ist. Wenn ich jetzt abbog, würde der Baumstamm hängen bleiben. Also zog ich das Holz erst etwas vorwärts und wollte dann ein zwei Schritte zurück machen und dann die Seite wechseln. Doof war jetzt, dass das Seil nun die Spannung verlor und durchhing. Ich wollte Gin um das lose Seil herumreiten, aber er stand dann da bereits im Seil und wickelt es sich unpraktisch einmal um die Füsse. Irgendwie wurde um mich die Stimmung etwas nervöser. Der Helfer meinte, ich solle unbedingt das Seil losmachen. In diesem Moment habe ich noch nicht gecheckt, dass die Situation heikel sein könnte. Schliesslich kannte ich Gin und wusste, dass er wegen diesem bisschen Seil um seine Beine keine Anstalten machen würde. Aber als ich dann all die anderen Pferde bei dieser Aufgabe gesehen habe, wusste ich, warum da einige nervös wurden. Jedenfalls fand Gin den Weg aus dem Seil und wir zogen den Balken dann souverän zum Ausgangspunkt zurück. Die Richterin meinte zu Beginn, wir sollten uns immer vor Augen halten, was man hier sehen will. Ein Pferd, dass man bei der täglichen Arbeit auf einer Ranch einsetzten kann. Das war in meinen Augen genau so eine Situation. Ein souveränes Pferdchen, dass nicht panisch davon juckt. Ob uns diese Aufgabe plus oder Minuspunkte brachte, ist schwer abzuschätzen, aber Gin hat sich hier auf jeden Fall äusserst souverän gezeigt. Weiter geht’s.
Der Weg zur Übung “Ground Tying” war ebenfalls frei wählbar. Wir galoppierten an und ritten direkt auf das Bänkchen und das Feuer zu. “Huch, Feuer”, dachte Gin wohl im ersten Moment. Hat er, glaube ich, so noch nie gesehen und schaute auch entsprechend skeptisch. Bei dieser Übung soll gezeigt werden, dass das Pferd auch mal einen Moment ruhig stehen kann und der Cowboy etwas kontrollieren kann, ohne dass das Pferd sich gleich mit dreht oder davon rennt. Somit habe ich einen Zügel auf den Boden hängen lassen und bin zu Heiri einen Schluck Kaffee trinken gegangen. Als ich mich umdrehte, merkte ich, dass Gin zu mir laufen wollte. Ich hab ihm mit Hand- und Stimmzeichen zu verstehen gegeben, dass er doch noch stehen bleiben soll und bin dann einmal um ihn herum gelaufen. Er bleib dann auch stehen, schaute mir aber nach und scheint sich gefragt zu haben “Was macht die denn jetzt?”. Sein Ausdruck war so köstlich.
Wieder rauf aufs Pferd und weiter ging es im Trab zum toten Wald. Gin trug mich ziemlich sanft durch den Holzsalat, nahm auch den Kopf schön runter und zeigte somit, dass er den Weg sich aufmerksam anschaute. Gut gemacht. Wir schlugen nicht mal an. Dann galoppierte ich nochmals freiwillig an und ritt zum letzten Hindernis, der Kuh. Hier gilt es nochmals eine Kuh zu ropen. Ziel hier, das Pferd muss einfach ruhig stehen bleiben, ob Reiter trifft oder nicht, spielt hier leider keine Rolle. Naja, das Gin hier stehen bleibt, hat er schon beim Reining gezeigt. Somit eine Aufgabe, die keine Problem für ihn darstellt. Und ich hab es dann auch noch geschafft, die Kuh zu treffen. Somit ein schöner Abschluss.

Nachdem wir nun alle Prüfungen des Tages hinter uns hatten, konnten wir gelassen noch den anderen Teilnehmern beim Trail zuschauen, während Gin genüsslich am Grasen war. Der Trail war für viele Pferde schwierig. Überall gab es für die einten oder anderen Knacknüsse zu meistern. Die gefürchtetsten Aufgaben waren wohl der Hänger, teilweise das Brückchen und mit Abstand am meisten das Feuerholz. Beim Feuerholz gab es nur wenig wirklich souveräne Pferde. Eine Teilnehmerin fiel deswegen sogar vom Pferd. Jedenfalls schien es so, dass wir den Trail ganz gut gemeistert hatte, trotz Gins Angespanntheit.

Da es bei der drittletzten Teilnehmerin anfing zu regnen, gab es einen kleinen Unterbruch und die Rangverkündigung fand dann anschliessend in der Halle statt. Erst die vom Trail und dann noch die für die Gesamtprüfung. Was soll ich sagen, den Trail haben wir dann doch tatsächlich auch noch gewonnen und durften nochmals eine blaue Schleife entgegen nehmen. Somit war uns dann auch der Gesamtsieg sicher und wir durften uns nach unserem ersten Start an einem Ranch Horse Turnier bereits Greenhorse Allaround Champion nennen. Wow, was für ein Tag, der total unerwartet endete. Damit hätte ich wirklich nie gerechnet. Danke Gin, für deinen tollen Einsatz und dein Vertrauen, und dass, obwohl du alles in allem erst neun Monate unter dem Sattel läufst.

Ein grosses Danke auch an Sven, der uns mit seinen zynischen Sprüchen nach unserem ersten Rope-Versuch (ich müsse mehr üben) und der Fotokamera begleitete. 😉

SRHA Ranch Horse Turnier ’14 – Attinghausen UR – Ausschreibung, Pattern und Score

Regelbuch der SRHA

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Zitate
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.