Gin das erste mal an der Kuh – mit Ute Holm

Ziemlich unerwartet habe ich die Tage zuvor eine Email von Jenny erhalten. Sie organisiert schon seit längerem regelmässige Rindertrainings mit Ute Holm. Die Plätze sind ziemlich begehrt und es ist nicht einfach, in die Gruppe reinzukommen. Aufgrund dessen, dass ich schon mal als Zuschauerin dabei war und auch am Theorie-Kurs mit Ute teilgenommen hatte, kannte sich mich schon etwas. So schrieb sie, dass kurzfristig für das kommende Rindertraining ein Platz frei geworden ist und ob wir gerne teilnehmen wollen. Obwohl ich mir schon lange einen Start an den Rindern wünschte, war der Zeitpunkt des Kurses nicht ganz optimal.
Am Donnerstag habe ich jeweils mein “Misttag” im Stall und dann war da auch die Anreise an die Paul Dietz Clinic geplant. Ich überlegte ein paar mal hin und her und fragte auch noch Sven nach seiner Meinung, ob das für Gin vielleicht doch etwas zu viel sein könnte. Er meinte – wohl nicht wirklich hinhörend – “nei, da isch sicher ned zviel” und da ich darin doch auch unsere Chance sah, meldete ich mich einfach an. Irgendwie werden wir das alles schon schaukeln. 🙂

So stand ich heute sehr früh auf, holte den Hänger, packte unsere sieben Sachen für die kommenden Tage (ich hatte Abends zuvor schon viel vorbereitet) und mistete noch alle Bollen von der Nacht ab, so dass ich am Abend rascher durch bin. Dann wurde Gin in den Hänger gepackt und wir machten uns auf den Weg nach Uster. Wir hatten etwas Verspätung. Das war in zweifacher Hinsicht nicht schlimm. Zum einen hatte auch Ute Verspätung und zum anderen waren wir ja eh erst in der Gruppe 2 dran. Vielleicht hätte ich auch etwas später anreisen sollen (der Tag wäre etwas kurzer gewesen), andererseits war es interessant die fortgeschrittenen Pferde an den Kühen zu beobachten.

Um 10:45 Uhr kam dann meine Gruppe 2 dran. Die Spannung, wie sich Gin an den Kühen zeigen wird, stieg bei mir merklich. Andererseits bin ich mir bewusst, dass ich durch mein Ruhe auch Gin soweit gut im Griff haben werde. Gestriegelt, geputzt und gesattelt machten wir uns auf den Weg vom Hänger zum Halleneingang. Dort begaben wir uns auf den Vorplatz und schauten den anderen noch beim Abschliessen der Übung zu. Gin war so was von Neugierig und beobachtete die Kühe und Pferde sehr wachsam durch die Pannells. Die Augen schon ausgerichet zwischen den Stangen, die Ohren so was von gespitzt. Für mich schön zu sehen, wie interessiert er sich zeigte, ohne zu wissen, was da auf ihn zukommt. Kurz darauf durften wir in die Halle zum Aufwärmen.

Zuerst ging es im Schritt, Trab und Galopp um die Rinder herum, welche sich in der Mitte der Halle sammelten. Anfangs schaute Gin sie etwas komisch an und traute sich nicht wirklich nah an ihnen vorbei. Dies wurde aber mit jeder Runde weniger und bald beachtete er die kleine Rinderherde kaum mehr. Nach dem Aufwärmen versammelten wir uns um Ute und die Neuen stellten sich kurz vor. Und da Gin der einzige war, der noch nie an der Kuh war, durften wir dann auch gleich den Anfang machen. Dies deshalb, weil umso mehr die Kalber gebraucht sind – und die vorherige Gruppe hat mit diesen ja auch bereits gearbeitet – desto “drückiger” werden sie. Sie laufen nicht mehr so rasch davon – für den Lerneffekt jedoch wichtig – und können dann durchaus mal gegen ein Pferd drücken, was für Anfänger dann nicht gerade das optimale Anfangserlebnis darstellt.

Okay, also unsere erste Aufgabe war durch die Herde zu reiten. Für die Pferde am Anfang nicht ganz einfach durch eine Herde Tiere zu laufen, bei denen sie nicht wissen, wie diese reagieren. Die meisten Pferde brauchen dafür etwa zwei Tage oder mehr. Und da Gin beim spontanen Küheeinfangen bei uns am Stall drei Monate zuvor etwas Mühe hatte, die ihm hinterherlaufenden Kühe zu ertragen, war ich mir wirklich nicht sicher, wie er reagiert. Andererseits habe ich im beim Spazieren immer so nah an die Kühe geführt, bis diese trotz ihrer Neugierde skeptisch wurden und ein paar Schritte zurück wichen. So war ich mental davon überzeugt, dass wir ohne grossen Probleme durch die Herde laufen können. So machten wir uns das erste Mal ganz alleine auf den Weg Richtung Kuhherde. In einem kleinen Bogen ritt ich dort hin, wo sich die meisten Hinterteile zeigten, um von “hinten” herein zu reiten. Gin verstand am Anfang nicht ganz, warum er da jetzt einfach rein laufen soll. Er versucht etwas links und rechts weg zu drücken. Aber ich hatte meinen Plan und gab mit meinen Beinen die Leitplanken vor. Er nahm dies soweit ganz gut an und als er dann merkte, dass die Kälber wichen, wurde er mutiger und schwupps waren wir durch die Herde. Toll! Erster Versuch und gleich durch.

Gleich nochmal. Auch das klappte super. Und so durften wir dann uns schon eine erste Kuh herauspicken und mit dieser etwas arbeiten. Immer schön zwischen Kuh und Herde im Kreis paralell mitlaufen, nie drüber reiten und dann wenden, wenn es die Kuh auch tut. Der Stop war ganz okay, die Wendungen noch viel zu langsam. Gin weiss noch nicht so recht, wie er seine Beine platzieren muss, damit er rasch herum kommt. Da wird uns dann aber die Übung an der Cutting Maschine helfen, welche aufgrund der heissen Temperatueren erst am Nachmittag zum Einsatz kommt. Zudem hat Gin noch nicht ganz gecheckt, was sein Job zwischen den vielen Kühen ist, aber das wird sicher mit jedem Mal besser. Dann habe wir unsere erste Pause bekommen und uns dann an den Rand hingestellt. Dort haben wir als Helfer fungiert. Jedesmal wenn die Herde die Mitte verlässt oder die Kuh, mit der gearbeitet wird, sich nicht mehr bewegt, werden diese angestupst. Schön war zu sehen, dass bei dieser Arbeit Gins Selbstvertrauen mit jeder Kuh, welche vor ihm davon gelaufen ist, mehr und mehr gewachsen ist und er langsam Spass daran entwickelte, auf die Kühe loszugegen. In der zweiten Runde lief er dann schon etwas motivierter.

Am Nachmittag startete wir dann an der Cuttingmaschine. Das erste Mal, wo Gin etwas mehr Respekt zeigte und lieber ein paar Meter mehr Abstand hielt als die andere Pferdchen. Jedes Mal wenn sich die “Kuh” in Bewegung setzt, zuckte er zudem zusammen, sodass ich das Gefühl hatte, er würde gleich explodieren und davon rennen. Wir kamen abstandmässig immer näher ran, konnten im Ansatz ein paar Wendungen reiten und das Zucken nahm ebenfalls ab. Hier haben wir noch viel Potenzial uns zu verbessern.

Der zweite Teil war dann wieder an den Rindern. Die Fortsetzung vom Vormittag. Gin war diesmal etwas übermotiviert. Wir holten eine Kuh aus der Herde und haben an dieser geübt. Bis diese und eine andere zurück zur Herde rennen wollten. Sie schlossen hinter der Herde, etwas aussen versetzt mit einem kleinen Abstand auf. Es hatte noch Platz dazwischen für uns, aber es war auch eng. Solange die Kuh nicht in der Herde ist, besteht die Möglichkeit diese wieder ganz rauszuholen. So versuchte ich also die zurückrennende Kuh inkl. Kumpel wieder raus zu trieben und blieb hinter den beiden in dieser kleinen Lücke. Und plötzlich merke ich unter mir, wie Gin einen enormen Energieschub entwickelt und Tempo aufbaut. Total motiviert gibt er Vollgas und rempelt die Kuh seitlich voll an. Ich war etwas verdutzt, als da plötzlich unter mir sich so viel Eigenmotivation entwickelte und ich das Gefühl hatte, die Kuh fliegt nun davon. Andererseits hatte ich wirklich Freude, dass Gin da wohl doch etwas Spass daran fand und sich von nicht abschrecken liess. Ich hatte das Gefühl, als sei er vor neu sprissendem Selbstbewusstsein gleich um ein paar Zentimeter gewachsen. Ute meinte dann, dass ihre Cutting-Pferde das nicht vertragen und sich in die nächste Ecke verkrochen hätten und das aus Gin durchaus ein gutes Ranch Horse Pferdchen werden könnte, wenn er das so einfach wegstecke. Und irgendwie fast schon rechtfertigend meinte sie noch, dass das nicht ausschliesse, dass ein gutes Ranch Horse auch ein gutes Cutting Pony werden könne und umgekehrt. Egal. Jedenfalls könnten wir beim zweiten Durchlauf am Nachmittag noch einen schöne Arbeit – natürlich auf Anfängerniveau – zeigen und so unsere erste Rinderarbeit erfolgreich abschliessen.

Während die anderen ihren zweiten Lauf noch beendeten, machten wir uns vorzeitig auf den Heimweg resp. mit einem kuzen Abstecher zum Stall – gemistet und gefüttert musste ja auch noch werden – ging es weiter nach Matzendorf, wo Gin zu später Stunde seine Gastbox beziehen durfte.

Bilder von Sven Bosshard. Sven hat uns extra kurz besucht, um ein paar Fotos mit nach Hause zu nehmen 🙂 Leider war die Halle und die Verhältnisse sehr schwierig. Aber Sven wird weiter üben.

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Zitate
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.