Zum lachen oder zum weinen?

Ich übe mit Gin schon eine ganz Weile das Kompliment. Neben dem sehr wertvollen Dehneffekt soll es eine Vorbereitung zum späteren Abliegen sein. Wir haben die Übung schon zig Mal gemacht. Mal reagierte er schneller, mal langsamer, mal ging es ganz einfach, mal harzte es etwas, mal machten wir es mit und mal ohne Sattel. Aber es funktionierte immer, wie es sich gehört.

Nur letztes Mal, als ich mit Gin in der Halle ohne Sattel dies übte, nahm ich auch seinen rechten Fuss hoch und er ging schön runter. Irgendwie verlor er das Gleichgewicht und fing an auf die rechte Seite zu kippen. Ich brachte mich mit einem Rückwärtssatz aus der Schusslinie. Kaum berührte Gin aber den Boden, merkte er sofort, dass das die Gelegenheit war, sich doch gleich zu wälzen. Ich gewährte meinem lieben Pferdchen das. Er war ja schon am Boden und Wälzen gehört nun mal zu seinen Lieblingsdistziplinen. Leider stellte sich dies heute als Fehler heraus. Da hat er was erlickt und dies bereits sehr gut im Kopf gespeichert.

Heute hatten wir eine super Arbeitstunde draussen auf dem Viereck. Kühl, aber super Boden und Gin arbeitete gut mit. Wir bauten bereits erste Übungen für einen Spin ein. Ich war wirklich happy mit meinem Pferdchen und wollte ihn gerade in den wohlverdienten Feierabend entlassen. Aber der kleine Kerl schaffte es tatsächlich, die tolle Stimmung zu kippen.

Ich war schon abgesessen und hatte ein paar Schrittrunden hinter mir, da wollte ich auf jeder Seite das Kompliment üben. Wir fingen auf der linken Seite an und es klappte drei Mal hintereinander ganz gut. Wir werden noch an der Präzision arbeiten, für heute passte das. Super.

Seitenwechsel. Nun das ganze von der rechten Seite. Bein anheben, zurück tippen und er kniete auf dem Bein. Auch hier wieder: super. Doch dann merke ich, wie die rechte Seite immer runder wird und schwubs – Gin lässt sich fallen. Ich war darauf nicht vorbereitet, verliere das Gleichgewicht und Monsieur lässt sich auf mein Bein fallen. Naja, kenn ich ja bereits von anderen Pferden und ist soweit nicht schlimm. Gibt irgendwo ein paar helblaue Flecken, wenn überhaupt. Da Gin sich genüsslich anfängt zu wälzen, bringe ich mein Fuss unter dem dicken Bauch hervor, stehe auf, bin etwas empört über Gins Verhalten, sich mit Sattel wälzen zu wollen – was ja weder für den teuren Sattel noch für Gins Rücken wirklich toll ist – und animiere ihn zum Aufstehen, was er dann wiederwillig macht. Also gleicher Versuch nochmal. Wieder drückt Gin auf meine Seite und trotz meinem gepickse, möchte er sich gerne wälzen. Das war ganz klare Absicht. Wohl auch das erste Mal. Der Kerl hats dich tatsächlich erlickt und nützt die Übung schamlos aus. Gut, dass er sich abliegen lässt, aber wälzen geht ja gar nicht – sowieso nicht mit Sattel. Diesmal verhelfe ich Gin mit viel Nachdruck zum Aufstehen. Gerne hätte er da noch genüsslich weiter gemacht, aber das geht so gar nicht. So, wir kehren wieder zurück zum Komplient und können den dritten Versuch wieder normal abschliessen, ohne das mir gleich ein Pferd zu Füssen fällt.

Sattel, und hoffentlich Gins Rücken ebenfalls, haben das Kunststück mit ein paar wenigen Kratzer soweit gut überlebt, obwohl es etwas dauerte, bis der Sattel wieder sandfrei war.

Oh Mann, Gini….

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Zitate
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.